Beschluss: einstimmig beschlossen

Sachvortrag:

 

Das geplante INTERREG-Projekt wurde bereits im Haupt- und Finanzausschuss am 11.05.15 und am 18.05.15 im Stadtrat behandelt. Zwischenzeitlich haben sich jedoch die Rahmenbedingungen hinsichtlich der Ausgaben geändert. Die erste Kostenschätzung belief sich auf ca. 43.500,- Euro.

Nach einer genauen Kostenermittlung sind die Kosten um 26.000,- auf knapp € 70.000,- Euro gestiegen. Daher erhöht sich der Anteil der Stadt Straubing von ca. 13.000,- Euro auf ca. 21.000,- Euro.

 

1.   Allgemeine Ausgangssituation:

 

Die Werbegemeinschaft Donau Oberösterreich Tourismus GmbH (WGD) sucht für ein geplantes Projekt einen oder mehrere Partner auf bayerischer Seite.

Spezifisches Ziel des Programms: Inwertsetzung und Förderung des Natur- und Kulturerbes im Hinblick auf eine nachhaltige, grenzüberschreitende touristische Entwicklung.

Die Maßnahmen sind alle unter dem Dach der Oberösterreichischen Landesausstellung 2018 zum Thema „Donau-Limes“ ausgerichtet.

Ziel ist es die historische Bedeutung des römischen Donau-Limes zu inszenieren und zu dokumentieren.

Zum direkten Fördergebiet im INTERREG-Projekt Bayern-Österreich zählen die erste und zweite Landkreisgrenze (Landkreis Passau und Deggendorf). Bei projektbezogenen Maßnahmen könnte das Fördergebiet auf den Ostbayerischen Donau-Raum ausgeweitet werden.

Der Begleitausschuss für dieses Förderprogramm, dem die österreichischen Bundesländer Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg und die bayerischen Regierungsbezirke Niederbayern, Oberbayern, Allgäu und Bayerisch-Schwaben angehören, trifft voraussichtlich im Mai 2016 die schlussendliche Entscheidung über die geplanten Maßnahmen.

 

2.   Ausgangslage Straubing:

 

Bereits Mitte des 1. Jahrhunderts entstand in der heutigen Straubinger Altstadt, unter der romanischen Basilika St. Peter, ein kleines Militärlager, östlich von St. Peter befand sich ein Altwasser der Donau, das als in den 70er Jahren ausgebauter Hafen genutzt werden konnte. Unmittelbar daneben errichtete zur selben Zeit die cohors II Raetorum, eine 500 Mann starke Kohorte, ihr Kastell. Östlich kam rund 10 Jahre später ein wesentlich größeres Lager hinzu, das für 1000 Mann ausgelegt war. Bis zu den Markomannenkriegen war Straubing mit diesen beiden Lagern eine der bedeutendsten Militärorte in der römischen Provinz Raetien. Um die Kastelle entwickelte sich eine dichte Besiedlung. Auch danach hatte das mittelkaiserzeitliche Steinkastell große Bedeutung.

Ein Teil des Lagerdorfs ist als Römerpark projektiert. Ergänzungen sind geplant, dazu gehört auch eine Visualisierung des Ostkastells mittels einer stereoskopischen Bildsäule oder der Rekonstruktion von einzelnen Vicusgebäuden.

Auf Straubinger Stadtgebiet befand sich im Stadtteil Alburg eine große Villa: ihr entstammt der bekannte Römerschatz. In der Alburger Kirche St. Stephan ist außen noch eine Spolie, ein römischer Grabstein, vermauert. Unweit liegt der Fuchsenberg in Lerchenhaid, wo bei Untersuchungen im Jahr 1910 Funde geborgen werden konnten, die auf einen römischen Wachtturm hinweisen. Im Gäubodenmuseum, das mit rund 600m2 mit einer der größten Römerabteilungen Bayerns aufwartet, sind nicht nur der Römerschatz, sondern auch Materialien aus fast allen archäologischen Grabungen in Straubing, zu sehen. Die Geschichte des römischen Straubing / Sorviodurum werden visualisiert.

 

In der Spätantike wurde das militärische Zentrum verlagert; nun stand wieder der Kirchhügel von St. Peter im Focus. Das dortige spätantike Kastell existierte weit bis ins 5. Jh. hinein.

Straubing ist eingebunden in ein System von Radwegen, unter anderem die Via Danubia. In ein Radwegenetz können Stationen wie Alburg (römische Villa), Lerchenhaid (römischer Wachtturm), Gäubodenmuseum, römische Donauschifffahrt (im Bereich des Schiffsanlegers), die Monumente um und unter St. Peter (spätantikes Kastell und Hafen) sowie der Römerpark mit eingebunden werden. Gleichzeitig würden diese Stationen dem Individualbesucher dazu dienen, das alte Sorviodurum besser zu verstehen.

 

3.   Projektidee:

 

Straubing-Römerpark

 

Zur Visualisierung des Ostkastells der ersten Canathenerkohorte soll eine stereoskopische Bildsäule in der Südwestecke des Kastells errichtet werden. Die digitalen Basisdaten (Pläne) liegen bei der Firma Arctron in Altenthann vor. Auch wenn nur Nordtor und Gräben im Süden archäologisch ergraben worden sind, wurden Daten aus Magnetprospektionen, elektrischen Messungen und Luftbildern so verschnitten, dass das vollständige Kastell bekannt ist. Die Erstellung der digitalen Rekonstruktion muss für die Anlage noch erfolgen.

 

Straubing-St. Peter

 

Fahrradrastplatz mit elektronischer Informationsstelle (Bildschirm): Informationen zum Straubinger Hafen (römisch), zum spätantiken Kastell unter St. Peter, zu den frühmittelalterlichen Adelsgräbern und zu den frühen Kirchen bis hin zur romanischen Basilika. Solche Stelen können auch integrierte Ladestationen für E-Bikes aufweisen.

 

Römerradweg (ausgeschildert)

 

(Römerpark, Historischer Friedhof St. Peter, Schiffsanlegestelle, Gäubodenmuseum, Tiergarten/ Lerchenhaid)

Nahe der Anlegestelle Info-Point zur römischen Donauschifffahrt (Schiff des 1. Jahrhunderts, spätantike Lusoria, Prahme, Treideln, Segeln, Rudern – Antriebstechniken, Warenverkehr wie Lebensmittel, Töpfereiprodukte oder Textilien).

Beim Tiergarten Info-Point zum möglichen römischen Wachtturm und E-Bike-Ladestation.

 

4.   Kostenschätzung neu:

 

Römerpark:

Stereoskopische Bildsäule
Ausrüstungskosten: Hardware                                                                          5.593,00

Dienstleistungskosten: Software                                                                       4.403,00

Infrastrukturkosten: Aufschütten Hügel                                                             2.500,00

Infrastrukturkosten:       Fundament Bildsäule                                                 1.000,00

 

St. Peter:

Infrastrukturkosten: Rastplatz geschottert                                                         5.000,00

Ausrüstungskosten: 2 Tische, 4 Bänke                                                             6.600,00

Infrastrukturkosten: Aufstellen von Tischen und Bänken                                 1.200,00

Ausrüstungskosten: Radabstellanlagen                                                            1.000,00

Infrastrukturkosten: Aufstellen der Radabstellanlagen                                         500,00

Ausrüstungskosten: Elektronische Infostelle                                                   € 13.101,90

Dienstleistungskosten: Software                                                                        2.082,50

Infrastrukturkosten: Fundament Infostelle                                                          1.000,00

 

Römerradweg:

Ausrüstungskosten: 2 Infotafeln, -stellen à € 3.498,60                                       6.997,20

Dienstleistungskosten: Grafik 2 Tafeln à € 1.184,05                                         2.368,10

Infrastrukturkosten: Aufstellen von 2 Tafeln                                                       1.200,00

Ausrüstungskosten: E-Bike-Ladestation                                                        € 10.426,54

Infrastrukturkosten: Fundament                                                                       1.000,00

Ausrüstungskosten: Beschilderung                                                                     3.965,68


Gesamt:                                                                                                              € 69.937,92

 

 

5.   Ziele:

 

Mit den geplanten Projekten wird eine Verbesserung der touristischen Infrastruktur angestrebt. Das zusätzliche Angebot im Tourismus- und Kulturbereich erhöht die Attraktivität Straubings als Tourismusziel und stärkt das Image als Donau- und Römerstadt.

Dadurch erhoffen wir uns eine Steigerung der Ausflugs- und Übernachtungsgäste, die auch zu einer Erhöhung der Besucherzahlen in den genannten Kultureinrichtungen führen wird.

Die Informationstafeln bzw. -säulen tragen zur Schärfung des Geschichtsbewusstseins an historischen Orten, die zum Weltkulturerbe werden sollen, bei.

 

Zudem soll das Identitätsbewusstsein der Straubinger Bevölkerung durch die Verbindung mit der eigenen Geschichte und Anbindung an die Donau intensiviert werden.

 

6.   Finanzierungsplan neu:

 

Der Fördersatz wird sich voraussichtlich auf 70% belaufen. Größere Projekte wie etwa in-frastrukturelle Maßnahmen oder die touristische Inwertsetzung von bestehenden Einrichtungen müssen über die jeweilige Kommune kofinanziert werden.

Bei einer Kostenschätzung in Höhe von insgesamt  69.937,92.- Euro würden Kosten in Höhe von ca. 21.000.- Euro auf die Stadt Straubing zukommen.

 

7.   Umsetzungsplan neu:

 

Die Förderzeit wird voraussichtlich von 2016 – 2019 sein.

Die Kosten für die einzelnen Maßnahmen müssen von der Stadt Straubing zunächst vorfinanziert werden, wobei der Tourismusverband Ostbayern einmal pro Jahr die Fördermittel abrufen wird. Die Kommunen werden jedoch gebeten, ihre Abrechnungen gebündelt einzureichen. 

Im Jahr 2017 sollte ca. 23.500.- Euro in den Haushalt zur Fertigstellung der Maßnahme in St. Peter, 2018 und 2019 jeweils ca. 20.000,- Euro eingestellt werden.

 

8.   Erstmaßnahme für 2016:

 

Für das Jahr 2016 ist vorgesehen, auf der städtischen Grünfläche gegenüber von St. Peter den Rastplatz durch die Stadtgärtnerei (ca. 5.000,- Euro) herzurichten und die Software für die Infostelle (ca. 2.100,- Euro) zu erwerben. Damit fallen im Jahr 2016 Kosten von 7.100,- Euro an. Im Haushalt sind bereits 5.000,- Euro eingeplant. Die restlichen Mittel i.H.v. 2.100,- Euro kommen aus dem Budget des Gäubodenmuseums.


Beschluss:

 

Der Stadtrat beschließt, dass sich die Stadt Straubing am INTERREG-Projekt im Kooperationsprogramm Bayern-Österreich 2014 – 2020 mit den oben genannten Projektideen und den vorgeschlagenen Maßnahmen beteiligt.  Eine Vorfinanzierung durch die Stadt Straubing ist erforderlich. Die notwendigen Finanzmittel sind den Haushaltsjahren 2017 bis 2019 bereitzustellen.


Abstimmungsergebnis:

- einstimmig -

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