Beschluss: einstimmig beschlossen

Sachvortrag:

 

Die Stadt Straubing hat bereits in der Vergangenheit der immer stärker werdenden Abhängigkeit der Verwaltung von der EDV Rechnung getragen. Der zentrale Datenspeicher wurde gespiegelt, die Server-Systeme geclustert und in verschiedenen Brandabschnitten untergebracht. Kritisch ist nach wie vor die ausschließliche Anbindung des Netzwerkes über das primäre Rechenzentrum in der IuK.

 

Der zweite Standort der Server-Systeme über dem Referat 4 bietet baulich keine Möglichkeit eine ausfallsichere Netzwerkanbindung unterzubringen. Damit besteht das Risiko, dass bereits ein geringer wirtschaftlicher Schaden an dieser Netzwerkverbindung zu einem völligen Stillstand der Stadtverwaltung führt. Die Reparatur von beschädigten Kabeln oder der Austausch der Netzwerkkomponenten wird, je nach Größe des Schadens, einen bis mehrere Tage benötigen.

 

Als Ausfluss des E-Government-Gesetzes befindet sich derzeit ein Informationssicherheitsmanagement-System im Aufbau. In diesem werden die Anforderungen für den Schutz der Daten und des Netzwerkes definiert. Im Zuge der Einführung dieses Informationssicherheitsmanagement-Systems wurde gemeinsam mit den Fachbereichen der Schutzbedarf der sogenannten „Kritischen Anwendungen“ festgelegt.

 

Hieraus ergab sich für die meisten Kernbereiche (Finanz- und Kassenwesen, Zulassung, Meldeamt, Sozialwesen, Jugendamt, Standesamt, Baurecht, Ausländerwesen, Zugang zum Behördennetz) im Ergebnis eine maximal tolerierbare Ausfallzeit von 48 Stunden. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, u.a. existieren gesetzliche Vorgaben oder es tritt z.B. eine erhebliche wirtschaftliche Schädigung der Betroffenen ein. Eine Überbrückung mit manuellen Verfahren ist nicht möglich.

 

Diese Anforderung wird mit der aktuellen Struktur, einem Hauptrechenzentrum und einem zweiten Rechenzentrum zum Absichern des Datenbestandes, nicht erfüllt. Wäre das Brandereignis im Rathaus an einer für die EDV kritischeren Stelle aufgetreten, hätte dies einen erheblich längeren, vollständigen Stillstand der Verwaltung nach sich gezogen.

 

Die Stadt benötigt daher zwei vollwertige Rechenzentren, die unabhängig voneinander in der Lage sind, den Produktivbetrieb aufrechtzuerhalten. Damit können, bis zu einem akzeptablen Restrisiko, die Anforderungen der sogenannten „kritischen Anwendungen“ gewährleistet werden.

 

Die Sanierung und der Umbau des historischen Rathauses und des Dischinger Hauses bedingen einen Umzug der gesamten EDV-Technik. Dieser Umstand wird daher für den Aufbau eines weiteren Rechenzentrums in einem anderen Brandabschnitt genutzt, zumal für 2019 die Erneuerung der Server- und Storage-Hardware turnusmäßig eingeplant ist. Die Rechenzentren werden, nach Abschluss aller Arbeiten, beide aktiv den Produktivbetrieb bei der Stadt gewährleisten. Bei einer Störung oder einem Ausfall in einem der Rechenzentren wird der Produktivbetrieb vollständig aufrechterhalten. Leistung und Geschwindigkeit werden zwar reduziert, sind aber in einer Fehlersituation zu tolerieren.

 

Die Umsetzung dieser Maßnahme soll folgendermaßen ablaufen:

 

·         Errichtung des neuen Rechenzentrums 2019.

·         Installation der turnusgemäß 2019 auszutauschenden Server- und Storage-Hardware im Rechenzentrum 2.

·         Migration der Daten in das Rechenzentrum 2.

·         Im Rechenzentrum 2 werden die Komponenten bereits so eingerichtet, dass eine Trennung in 2 Rechenzentren mit wenig Aufwand möglich ist.

·         Abbau des bisherigen Rechenzentrums.

·         Sanierung des Dischinger-Hauses und Errichtung des Rechenzentrums 1.

·         Einbau der vorhandenen Komponenten in das Rechenzentrum 1 und Inbetriebnahme.

 

Der Aufbau eines zweiten, autark funktionierenden Rechenzentrums bedingt auch eine eigenständige Anbindung an die Stromversorgung und die Netzwerkverteilung. Die hierzu notwendigen Maßnahmen sollen zusammen mit der aufgrund der Wiederherstellung erforderlichen Verlegung von Stromversorgung, Datenanbindung und Notstromdiesel des Rathauses ausgeschrieben werden.

 

Das Volumen dieser Ausschreibung wird auf rund 1,1 Mio. € geschätzt. Davon entfallen auf durch den Wiederaufbau bedingte Arbeiten etwa die Hälfte der Kosten, die von der Versicherung erstattet werden.

 

Zu den Maßnahmen, die aufgrund der Neuerrichtung eines Rechenzentrums notwendig sind, zählen u.a.:

 

-       Aufstellung und Anbindung der Serverschränke.

-       Errichtung bzw. Ausweitung eines Zutrittskontrollsystems bei allen sicherheitsrelevanten Bereichen.

-       Ausführung der Niederspannungsinstallation mit einer Brandwiderstandsdauer von mindestens 90 Minuten.

-       Errichtung einer Unterzentrale der Brandmeldeanlage.

-       zweite eigenständige Anbindung Telekommunikationsnetz.

-       Herstellung einer zweiten Unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV).

-       Neuanbindung aller bestehenden Unterverteilungen Strom.

 

Für die Maßnahmen im Zuge des Aufbaus eines zweiten autarken Rechenzentrums sind aktuell keine Mittel im Haushalt vorgesehen. Die hierfür notwendigen Mittel in Höhe von 550 T€ müssen daher außerplanmäßig bereitgestellt werden. Die Deckung soll durch die überplanmäßigen Mittel bei der Schlüsselzuweisung erfolgen.


Beschluss:

 

Die außerplanmäßigen Mittel für die Infrastruktur zur Anbindung eines zweiten Rechenzentrums in Höhe von 550 T€ werden genehmigt. Die Deckung erfolgt durch überplanmäßige Einnahmen bei der Schlüsselzuweisung.


Abstimmungsergebnis:

- einstimmig -

Verteiler:

3, 30, 34, 4, 42