TOP Ö 9: Beschlussfassung über den Bedarf und den Fortbestand der städtischen Jugendherberge

Beschluss: einstimmig beschlossen

I.    Informationen zur bestehenden Jugendherberge:

 

Die Jugendherberge Straubing, Friedhofstr. 12, liegt zentral in einem Wohngebiet und wurde letztmals in den Jahren 2001 und 2002 saniert.

 

Im 5-Jahres-Schnitt werden jährlich 3.339 Übernachtungen verbucht. Davon entfallen 2.842 Übernachtungen auf Junioren und 497 Übernachtungen auf Senioren (ab 27 Jahren). Dies entspricht einem Prozentwert von 85,1 bzw. 14,9 % (üblich sind bis zu 5 %).

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Auf 3.339 Übernachtungen fallen im Schnitt 661 verbuchte Übernachtungen auf ausländische Gäste. Dies entspricht einem Prozentsatz von 19,8 %.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Auf 3.339 Übernachtungen fallen im Schnitt 868 verbuchte Übernachtungen auf Schulklassen. Dies entspricht einem Prozentsatz von 26 %.

 

 

 

 

Durchschnittlich bleibt ein Gast 1,5 Übernachtungen. Bei vielen unserer Gäste handelt es sich um Durchreisende (z. B. Radtourismus), die für eine Nacht eine Übernachtungsmöglichkeit benötigen und am nächsten Tag ihre Weiterreise wieder antreten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 







Aufgrund der zur Verfügung stehenden Betten wären bei Vollauslastung 19.710 Übernachtungen möglich. Bei 3.339 Übernachtungen entspricht die Auslastung ganzjährig lediglich 16,9 %.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Aufgrund der zur Verfügung stehenden Betten wären bei Vollauslastung während der Öffnungszeit von April bis Oktober 11.556 Übernachtungen möglich. Bei 3.339 Übernachtungen liegt die Auslastung während der Öffnungszeit bei 28,9 %.

 








Der Betrieb der Jugendherberge war in den Jahren 2011 und 2012 annähernd kostendeckend. Zuvor wurde regelmäßig ein größeres Defizit ausgewiesen. Auf Grund der offenen Zukunftsperspektive wurden in den letzten Jahren kaum mehr Investitionen getätigt und die Budgetmittel auf das Notwendigste reduziert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Jugendherberge weist zudem mit 54 Betten eine ungünstige Kapazität auf, so dass es oft nicht möglich ist, zwei Schulklassen gleichzeitig aufzunehmen. Zudem entspricht sie oft nicht mehr den Ansprüchen der Gäste. Die Reklamationen der Gäste nehmen zu. Insbesondere werden nachfolgende Mängel vorgebracht

Ø  Sportanlagen fehlen

Ø  Lärmbelästigung durch Eisenbahn und Postumladestation auf der Rückseite der
Jugendherberge

Ø  Jalousien an den Fenstern fehlen

Ø  Dämmung gegen Hitze und Kälte fehlt

Ø  sehr kleine Räume

Ø  Aufenthalts- / Spielraum und Seminarräume fehlen

Ø  nur Sammelduschen

Ø  Gemeinschaftstoiletten

 

Auch das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) stellt treffend fest, dass unsere Jugendherberge in Größe und Ausstattung nicht mehr zeitgemäß ist.

 

 

II.   Alternativen:

 

Nach Ansicht der Verwaltung ist es notwendig, dahingehend eine Entscheidung zu treffen, ob die Stadt weiterhin eine städtische Jugendherberge betreiben will und die dafür notwendigen Sach- und Investitionsmittel bereitstellt oder aber der Betrieb der Jugendherberge zum nächstmöglichen Termin eingestellt werden soll. Die Verwaltung hat diesbezüglich die möglichen Alternativen geprüft.

 

 

Alternative 1: Neubau/Generalsanierung

 

Eine wirtschaftlich sinnvolle Größe für eine Jugendherberge liegt bei etwa 140 Betten. Ca. 50 % der Betten befinden sich in 4-Bett-Zimmern, ca. 30 % in 2-Bett-Zimmern und ca. 20 % in 6 Bett-Zimmern. Mindestens ein Drittel soll mit eigener DU/WC ausgestattet sein. Bei den Überlegungen für eine neue Jugendherberge geht das DJH von einem durchschnittlichen Standard in der Kategorie „Basic“ aus. Das bedeutet, dass die Jugendherberge mit einer Vollküche ausgestattet ist, welche neben Frühstück auch Halb- und Vollpension ermöglicht. Daneben gibt es ausreichend Seminar- und Aufenthaltsräume; pro Schulklasse (30 Personen) einen ausreichend dimensionierten Seminarraum.

 

Neben den Investitionen müsste die Jugendherberge ein neues Konzept entwickeln und neue Themenbereiche erschließen, z. B.

 

Ø  Sport und Tourismus – Fußball, Eishockey, Radtourismus oder

Ø  Kunst und Neue Medien – Tagungsstätte Neue Medien, Kunstakademie, Workshops Musik usw. oder

Ø  Wissenschaft und Natur – Tagungsstätte nachwachsende Rohstoffe, freifliesende Donau usw.

 

sowie die pädagogische und hauswirtschaftliche Personalausstattung erhöhen.

 

Die Investitionskosten für ein solches Projekt werden mit mindestens 35.000 Euro pro Bett inklusive Ausstattung ohne Grundstückskosten veranschlagt. Somit wären Investitionen von ca. 4.9 Mio. Euro brutto notwendig.

 

Damit die Kosten und ein Reinertrag von ca. 5 % des eingesetzten Kapitals erwirtschaftet wird, müssten die Übernachtungspreise ohne Verpflegung von 10,26 Euro auf durchschnittlich 18,70 Euro im Mehrbettzimmer und 21,70 Euro im Einzelzimmer angehoben werden. Zudem müsste eine Bettenbelegung von 60 % bei ganzjähriger Öffnung erzielt werden. Dies entspricht 30.660 (derzeit 3.339) Übernachtungen.

 

Laut den ermittelten Tourismuszahlen stehen in Straubing 868 Betten zur Verfügung. Dies ermöglicht 316.820 Übernachtungen. Bei 125.824 Übernachtungen in 2012 beträgt die durchschnittliche Bettenauslastung in Straubing 39,7 %.

 

Es wird festgestellt, dass sowohl der Bedarf als auch ein wirtschaftlich sinnvoller Betrieb einer Jugendherberge in Trägerschaft der Stadt Straubing auf lange Sicht nicht gegeben sein wird. Sinnvoll erscheint es, die Jugendherberge am Standort Friedhofstr. 12 mit Renteneintritt der Herbergsleitung zu schließen.

 

 

Alternative 2: Schließung der Jugendherberge ohne Ersatzangebot

 

Der Betrieb der städtischen Jugendherberge wird mit Ablauf der Saison 2014 eingestellt. Die frei werdenden Budgetmittel verbleiben im Amt 25 und werden für Angebote der Familienbildung verwendet.

 


Alternative 3: Schließung der Jugendherberge mit Ersatzangebot Jugendgäste Don Bosco

 

Das KJSW betreibt in der Pettenkoferstraße 16 und in der Landshuter Str. 55 u. a. ein Jugendgäste- und Freizeithaus, das der Träger als Ersatz für die Jugendherberge für junge Menschen bis zum 27. Lebensjahr zur Verfügung stellen kann.

 

Im Rahmen des Konzeptes bietet der Träger neben Übernachtungen und Verpflegung auch regionale Angebote an. Dem Träger ist wichtig, Bildung und die Kultur der Stadt und der niederbayerischen Heimat einzubeziehen und somit das Jugendgästehaus und die Stadt als Gastgeber vorzustellen.

 

Der Betrieb einer Jugendherberge ist laut Satzung und auch im Betriebsablauf nicht möglich. Somit sind i. d. R. keine Spontanbuchungen möglich. Gruppenreservierungen in der Zeit von März bis Oktober bis zur freien Platzkapazität von mindestens 40 Plätzen sind möglich.

 

Das Jugendhaus hat zwei Standorte. Das Haus in der Pettenkoferstraße hat Mehrbettzimmer mit Dusche und WC auf dem Gang, Spielplätze und verschiedene Freizeitangebote. Das Gästehaus an der Landshuter Straße hat Einzel- und Doppelzimmer mit Dusche und WC am Zimmer. Die Preise liegen aktuell

 

pro Person, Übernachtung und Frühstück, pro Tag mit Dusche und WC im Jugendgästehaus bei 

 

  28,00 € Übernachtung und Frühstück für Schulklassen ab 20 Personen

  35,00 € Doppelzimmer mit Frühstück

  39,00 € Einzelzimmer mit Frühstück

  79,00 € Familienpauschale mit bis zu 3 Kindern (ein Doppel- und ein Dreibettzimmer)

               Vollpension auf Anfrage

und pro Person, Übernachtung und Frühstück, pro Tag mit Dusche und WC auf dem Gang im  Jugendwohnhaus bei

 

  15,00 € Übernachtung mit Frühstück für Schul-Jugendgruppen ab 100 Personen 

  17,00 € Übernachtung mit Frühstück für Schul-Jugendgruppen ab   30 Personen

  20,00 € Übernachtung mit Frühstück

  55,00 € Familienpauschale bis zu 3 Kindern (1Vierbettzimmer und/oder Babybett) 

  25,00 € Übernachtung mit Frühstück – Einzelzimmer – 

               Vollpension auf Anfrage

 

Der Träger bittet die Stadt um eine Kooperationsvereinbarung, die grundlegende Punkte zur gegenseitigen Sicherheit regeln soll. In die Vereinbarung sollen u. a. folgende Punkte aufgenommen werden:

 

1.    Werbung, Vermarktung und digitale Darstellung des Jugendgästehauses soll über die Stadt erfolgen (Link über die Homepage, Flyerausgabe z. B. Amt für Tourismus);

 

2.    Zielgruppenbenennung und Ausschluss der Verpflichtung eine Jugendherberge zu führen, sowie der Ausschluss von Aufnahmen von Tagesgästen, die nur eine Übernachtung suchen
(z. B. Radfahrer);

 

3.    eine Bereithaltegebühr von 2,00 Euro auf der Grundlage von 30 Plätzen und 8 Monaten (30,4 Tage) ergibt 7296 Belegtage und einen jährlichen Rechnungsbetrag von 14.592 Euro.

 

III. Vorschlag der Verwaltung:

 

Es wird festgestellt, dass sowohl der Bedarf als auch ein wirtschaftlich sinnvoller Betrieb einer Jugendherberge in Trägerschaft der Stadt Straubing auf lange Sicht nicht gegeben sein wird. Sinnvoll erscheint es, die Jugendherberge am Standort Friedhofstr. 12 mit Ende der Saison 2014 zu schließen und auf das bereits bestehende Alternativangebot eines Jugendgäste- und Freizeithauses zu setzen.

 

Beschluss:

 

1.    Der Jugendhilfeausschuss empfiehlt dem Stadtrat den Betrieb der städtischen Jugendherberge mit Ende der Saison 2014 einzustellen.

 

2.    Die Verwaltung wird beauftragt, mit dem Katholischen Jugendsozialwerk München e. V. für das als Ersatz vorgesehene Jugendgäste- und Freizeithaus Don Bosco eine Kooperationsvereinbarung mit den im Sachvortrag genannten Punkten abzuschließen.

 

3.    Die Vereinbarung gilt zunächst für die Jahre 2015 und 2016 mit der Option der Verlängerung um weitere 3 Jahre, sofern Angebot und Nachfrage im Sinne der Vertragspartner sind.

 

4.    Die notwendigen Budgetmittel von jährlich 14.592 Euro sind bereitzustellen.

 

 

 


1.    Der Jugendhilfeausschuss empfiehlt dem Stadtrat den Betrieb der städtischen Jugendherberge mit Ende der Saison 2014 einzustellen.

 

2.    Die Verwaltung wird beauftragt, mit dem Katholischen Jugendsozialwerk München e. V. für das als Ersatz vorgesehene Jugendgäste- und Freizeithaus Don Bosco eine Kooperationsvereinbarung mit den im Sachvortrag genannten Punkten abzuschließen.

 

3.    Die Vereinbarung gilt zunächst für die Jahre 2015 und 2016 mit der Option der Verlängerung um weitere 3 Jahre, sofern Angebot und Nachfrage im Sinne der Vertragspartner sind.

 

4.      Die notwendigen Budgetmittel von jährlich 14.592 Euro sind bereitzustellen.