TOP Ö 1: Vorstellung des Gewerbeflächenentwicklungskonzeptes

Sachvortrag:

 

Im Frühjahr 2012 erhielt die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH (GMA), Büro München, den Auftrag der Stadt Straubing zur Erarbeitung eines Gewerbeflächenentwicklungskonzeptes. Das Projekt umfasst einen Planungs- und Prognosezeitraum bis zum Jahr 2030.

 

Die wesentliche Zielsetzung des Projektes liegt darin, den perspektivischen Gewerbeflächenbedarf in Straubing, als wichtiges Instrument einer aktiven Wirtschaftsförderung, zu analysieren und hieraus Empfehlungen zu erarbeiten. Hierzu sind gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung auch zahlreiche Gespräche mit Unternehmen und Experten geführt worden.

 

Herr Dipl.-Ing. Jan Vorholt von der GMA präsentiert den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses die Untersuchungsergebnisse:

Danach ist das Oberzentrum Straubing zweifelsohne derzeit einer der dynamischsten Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorte in Bayern. Die Stadt zeichnet sich durch ihre Lage, verkehrliche Erreichbarkeit über (fast) alle Verkehrsarten (Autobahn, Airport München/Flugplatz Wallmühle), einen hohen Beschäftigtenbesatz in Stadt und Region, die Entwicklung von Wissenschafts- und Hochschulfunktionen sowie eine Reihe von "weichen" Standortfaktoren (u. a. Stadtbild / Innenstadt, Flusslage, Region) aus. Straubing ist Sitz innovativer, mittelständischer Unternehmen (u. a. Sondermaschinenbau/Maschinenbau) und verfügt mit dem Hafen über eine spezifische Infrastruktur mit einem logistikorientierten Dienstleistungsangebot. Straubing verfügt über eine besondere Kompetenz im industriell-gewerblichen Bereich. Bemerkenswert ist nach GMA-Einschätzung, das sich in Straubing und dem Umland eine ganz spezielle Unternehmenskultur entwickelt und etabliert hat, die durch ein Miteinander statt eines gegeneinander Handeln geprägt ist.

 

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Straubing hat sich im Vergleich von 2001 zu 2011 um über 14 %, auf nunmehr über 26.150 erhöht. Die Beschäftigtenzunahmen in den vergangenen Jahren haben sich im Wesentlichen im Dienstleistungsbereich vollzogen. Mit einem positiven Pendlersaldo von rund 10.500 weist Straubing eine hohe Arbeitsplatzzentralität auf.

 

Mit der konsequenten Entwicklung der Wissenschafts- und Hochschulstadt Straubing - in Kooperation mit umliegenden Hochschulen - sind zukünftig weitere positive Impulse für die Stadt- und Standortentwicklung zu erwarten. Die definierte Kernkompetenz "Nachwachsende Rohstoffe" zählt sicherlich - in Verbindung mit benachbarten Technologiefeldern - zu den strukturprägenden Themen im globalen Kontext.

 

Mit einem attraktiven Gewerbeflächenangebot ist in Straubing das Ziel verbunden, auch perspektivisch den aktuellen Status von rund 26.150 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Straubing mindestens zu sichern (Status-Szenario), realistischer Weise noch leicht auszubauen (Dynamik-Szenario). Ohne verfügbare Flächen ist davon auszugehen, dass die Zielsetzung nicht erreicht werden kann.

 

Gewerbeflächenbezogen besteht in Straubing mit dem interkommunalen Industriegebiet Straubing-Sand eine besondere Qualität und Zielsetzung, wobei das interkommunale Industriegebiet durch seine Hafen-/Logistikinfrastruktur, Dimension, den speziellen Unternehmensbesatz und die verkehrsgünstige Standortlage eine klar überörtliche bzw. regionale Bedeutung einnimmt.

 

Neben dem interkommunalen Industriegebiet Straubing-Sand gibt es in Straubing aktuell zwei größere Entwicklungsmaßnahmen: das Gewerbegebiet „Schlesische Straße“ und den „Gewerbepark Alburg“. Beide Gewerbeflächenentwicklungen sind als notwendige und sinnvolle Ansätze an geeigneten Standorten anzusehen, gerade um die Bestandsentwicklung zu sichern. Zumal das neue Gewerbegebiet „Schlesische Straße“ schon wieder eine entsprechende Belegung aufweist und weitere Anfragen derzeit bereits verhandelt werden.

 

Die Gewerbeflächenprognose für Straubing bis zum Jahr 2030 beruht auf einem Mix einer qualitativ-statistischen Berechnung, einer Auswertung der städtischen Flächenverkäufe in den vergangenen Jahren, einer Auswertung der Flächen- / Standortanfragen bei der kommunalen Wirtschaftsförderung sowie den Ergebnissen von neun Experten- / Unternehmensgesprächen. Berücksichtigt wurden auch die positiven Ergebnisse der Struktur- und Standortanalyse.

 

Bis zum Zeitraum 2030 wird für das Oberzentrum Straubing im Dynamik-Szenario ein zusätzlicher Gewerbeflächenbedarf in einer Größenordnung von 46 ha Brutto-Bauland als realistische "Leitplanke" prognostiziert. Dieser setzt sich aus notwendigen Flächen für die aktive Bestandsentwicklung (z.B. Standortoptimierung von ansässigen Unternehmen) sowie den Perspektiven für die Ansiedlung von neuen Unternehmen zusammen. Ergänzt man diese Betrachtung um die spezifischen Chancen und Perspektiven des interkommunalen Industriegebietes Straubing-Sand, gilt es die Entwicklung von mind. zusätzlichen 20-25 ha an diesem Standortbereich zügig zu prüfen.

 

Rund 1/3 des Flächenbedarfs von 46 ha kann durch den neuen Gewerbepark Alburg abgedeckt werden. Des Weiteren können perspektivisch voraussichtlich weitere Flächen im Bereich des neuen Gewerbegebietes Schlesische Straße und in den bestehenden Gewerbegebieten mobilisiert werden. Zusätzlich befinden sich einige Entwicklungsflächen im interkommunalen Industriegebiet Straubing-Sand.

 

Im Sinne einer integrierten Gewerbeflächenentwicklung werden von der GMA folgende Aussagen formuliert:

 

-       Sowohl die potenziellen Arrondierungsflächen im Bereich Gewerbegebiet „Schlesische Straße“ als auch die attraktiven Flächen im „Gewerbepark Alburg“ sind auf die Entwicklung mittelständischer Unternehmen, mit einer eher auf dem mittleren Flächenbedarf (ca. 4.000 - 20.000 qm) ausgerichteten Flächennachfrage zu konzentrieren.

-       Das interkommunale Industriegebiet Straubing-Sand verfügt nach einigen erfolgreichen Standortentwicklungen / Ansiedlungen und weiteren Infrastrukturplanungen nicht mehr über das Flächenpotenzial, um mittel- und langfristig ein Standortangebot für größere Projekte anzubieten (auch unter dem Blickwinkel der Perspektive der "Biomasse-Logistik").

 

Die Prognose des zukünftigen gewerblichen Flächenbedarfs für den Standort Straubing für einen (langen) Zeitraum bis zum Jahr 2030 hängt sinnvoller Weise auch mit einer entsprechenden Zielsetzung zusammen. Die GMA hat als Prämisse angesetzt, dass zumindest die jetzige Zahl der Arbeits- und Ausbildungsplätze gehalten, sinnvoller Weise auf Grund der Perspektiven sogar moderat ausgebaut wird. Dafür ist es wichtig, dass die Wirtschafts-, Wissenschafts- und Hochschulstadt Straubing für die Sicherung und Entwicklung von Arbeitsplätzen sowohl durch die Ansiedlung von neuen Unternehmen aber vor allem auch durch die Bindung von ansässigen Unternehmen, die notwendigen Standortvoraussetzungen schafft. Vor diesem Hintergrund ist es aus GMA-Sicht wichtig, das Gewerbeflächenentwicklungskonzept durch einen integrierten, strategischen Stadtmarketing-Ansatz zu ergänzen.

 

Herr Dipl.-Ing. Vorholt von der GMA wird im Plenum die Untersuchungsergebnisse nochmal präsentieren.

 


Beschlussvorschlag:

 

Die Ergebnisse des Gewerbeflächenentwicklungskonzeptes werden zustimmend zur Kenntnis genommen.

Die Verwaltung wird beauftragt, die Vorgaben und Ziele dieses Konzeptes aufzunehmen und bedarfsgerecht zu realisieren sowie dieses Konzept mit einem strategischen Ansatz im Stadtmarketing zu ergänzen.

 

Anlage:

 

Konzept zur Gewerbeflächenentwicklung der GMA

(je ein Exemplar für die Fraktionsvorsitzenden)