Beschluss: mehrheitlich beschlossen

Abstimmung: Ja: 13, Nein: 1

Sachvortrag:

 

Die im SGB VIII § 16 normierte „Allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie“ ist eine Pflichtaufgabe der Kinder- und Jugendhilfe. Familienbildung wendet sich an alle Familien und soll, im Sinne einer frühen Prävention, Bildungsangebote für Familien unterbreiten, um vorhandene Potenziale und Ressourcen zu stärken und auszubauen. Da Familienbildung grundsätzlich allen - und somit auch Familien in benachteiligten und belasteten Lebenslagen - offen steht, ergeben sich Schnittstellen zu wei­teren Hilfen. Grundlegende Ziele sind die Förderung der Erziehungskompetenz und die Stär­kung der Beziehungen in den Familien.

Dennoch stand die Familienbildung bislang zu wenig im Mittelpunkt der Tätigkeiten der Jugendämter in Bayern. Sie wird aber zunehmend als wichtige Unterstützung von Familien erkannt. Der Freistaat Bayern sieht hier ebenfalls dringenden Handlungsbedarf und leistet mit der Förderrichtlinie vom 8. Mai 2013, die zum 1. Juli 2013 in Kraft getreten ist, eine finanzielle Förderung für den strukturellen Aufbau der kommunalen Familienbildung und des angestrebten bayernweiten Aufbaus von Familienstützpunkten.

In der ersten Phase ist eine gründliche, in die tiefe gehende Bestandsaufnahme, Bedarfsanalyse und ein Konzept für Familienbildung zu erarbeiten. In der zweiten Phase geht es um die Umsetzung des Konzeptes und hier insbesondere um den Aufbau von Familienstützpunkten, die an bereits bestehende Einrichtungen angegliedert sein sollen.

Für die erste Phase ist die Einrichtung einer Koordinierungsstelle mit mindestens 10 Wochenstunden beim örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe Förderbedingung. Hier ist eine enge Koordination mit der Jugendhilfeplanung notwendig und gewünscht. In dieser Phase kann auf die Ergebnisse der Familienbefragung als Grundgerüst für die Bedarfserhebung zurückgegriffen werden. Die Bedarfsplanung muss regelmäßig – mindestens alle drei Jahre – fortgeschrieben werden. Die Förderrichtlinien fordern hier für das fachliche Profil in der Regel Sozialpädagogen/-innen. In der 1. Phase, die maximal zwei Jahre gefördert wird, werden die Grundlagen für ein Gesamtkonzept und die Vorbereitung der Umsetzung der Familienstützpunkte erarbeitet.

Ab der  2. Phase, die dauerhaft gefördert wird, wird das Konzept mit der entsprechenden Anzahl der Familienstützpunkte umgesetzt. Die Förderung dient dann zur Koordination der Angebote, der Anbieter, Initiierung neuer niederschwelliger Familienbildungsangebote und Vermittlung von ratsuchenden Familien an weiterführende Leistungsträger sowie einer regelmäßigen Öffentlichkeitsarbeit.

Auftrag in der Konzeptphase ist es auch, Anzahl und Örtlichkeit der Familienstützpunkte entscheidungsreif vorzubereiten. Das Förderkonzept der Staatsregierung sieht hier nicht den Neubau eines Familienstützpunktes, sondern die Angliederung an eine bereits bestehende Einrichtung wie Kindertageseinrichtung, Beratungsstelle, Mütter- und Familienzentren oder auch Mehrgenerationenhäuser vor. Die örtliche Festlegung soll den Kriterien „Bedarfsgerechtigkeit“ und „Sozialraumorientierung“ folgen. Die Stützpunkte sollen barrierefrei und von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe, die auch bei Bedarf eine Lotsenfunktion zu anderen Einrichtungen, Diensten und Leistungsträgern übernehmen, betreut werden.

Folgende Aufgabe sollen dort wahr genommen werden: Allgemeine Beratung und Unterstützung von Familien, Vorhaltung und Initiierung niedrigschwelliger Familienberatungsangebote vor Ort, Vermittlung der Familien an andere Dienste der Jugendhilfe, Vermittlung der Familien an weiterführende Leistungsträger, Entwicklung und Umsetzung von geeigneten Konzepten für die Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung und Kooperation mit verschiedenen Einrichtungen und Akteuren vor Ort.

Auch in der Umsetzungsphase ist eine fortlaufende Aufgabe der Jugendhilfeplanung, die Angebote und Bedarfe zu überprüfen und fortzuschreiben.

Der Freistaat fördert sowohl die 1. Phase sowie die 2. Phase jeweils mit ca. 50 % der Personal- und Sachkosten. Allein die maximale Summe der Fördergelder ist in beiden Phasen unterschiedlich. Der Freistaat fördert die 1. Phase mit 40 € für jedes geborene Kind, in der Phase 2 gibt es für jedes geborene Kind 30 €.

In 2014 würde das für Straubing eine maximale Förderung in Höhe von 13.600 €/Jahr bei angenommen 340 Geburten bedeuten. Die Stadt muss sich in derselben Höhe beteiligen. Die notwendige Planstelle und die Budgetmittel wurden für den Haushalt 2015 beantragt.


Beschlussvorschlag:

1.      Die Stadt Straubing nimmt ab 01.01.2015 am Förderprojekt „Strukturelle Weiterentwicklung der Familienbildung und Einrichtung von Familienstützpunkten“ teil.

2.      Die dafür notwendige Schaffung einer Koordinierungsstelle mit 10 Wochenstunden und die Bereitstellung der notwendigen Sachmittel ab dem 01.012015 wird befürwortet.

3.      Die Verwaltung wird beauftragt, gemäß der Richtlinie zur Förderung der strukturellen Weiterentwicklung kommunaler Familienbildung und von Familienstützpunkten vom 08. Mai 2013, einen Antrag auf Förderung zu stellen.