Beschluss: einstimmig beschlossen

Sachvortrag:

 

  1. Allgemeine Ausgangssituation:


Die Werbegemeinschaft Donau Oberösterreich Tourismus GmbH (WGD) sucht für ein geplantes Projekt einen oder mehrere Partner auf bayerischer Seite.

Spezifisches Ziel des Programms: Inwertsetzung und Förderung des Natur- und Kulturerbes im Hinblick auf eine nachhaltige, grenzüberschreitende touristische Entwicklung.
Die Maßnahmen sind alles unter dem Dach der Oberösterreichischen Landesausstellung 2018 zu Thema „Donau-Limes“ ausgerichtet. Ziel ist es die historische Bedeutung des römischen Donau-Limes zu inszenieren und dokumentieren.

Zum direkten Fördergebiet im INTERREG-Projekt Bayern-Österreich zählen die erste und zweite Landkreisgrenze (Landkreis Passau und Deggendorf). Bei projektbezogenen Maßnahmen könnte das Fördergebiet auf den Ostbayerischen Donau-Raum ausgeweitet werden.

 

  1. Ausgangslage Straubing:

 

Straubings Römerschatz, ein Hortfund von reich verzierten Gesichtsmasken, Beinschienen, Rossstirnen und weiteren Objekten aus dem 3. Jh. ist weltbekannt. Die Römerabteilung des Gäubodenmuseums kann mit vielen weiteren Objekten aus der reichen antiken Vergangenheit der Stadt glänzen.

Bereits Mitte des 1. Jahrhunderts entstand in der heutigen Straubinger Altstadt, unter der romanischen Basilika St. Peter, ein kleines Militärlager, das als Etappenstation Besatzungen von Patrouillenbooten auf der Donau aufnehmen sollte. Östlich von St. Peter befand sich ein Altwasser der Donau, das als Hafen genutzt werden konnte. Diesen einzigen bisher erforschten römischen Hafen an der Donau baute man noch in den 70er Jahren des 1. Jahrhunderts aus und versah ihn mit Kaianlagen und zwei Piers. Unmittelbar daneben errichtet zur selben Zeit die cohors II Raetorum, eine 500 Mann starke Kohorte, ihr Kastell. Von ihm sind Holzbauphasen und eine aus Stein bekannt. Insbesondere Teile der Umwehrung konnten beim Neubau des Krankenhauses frei gelegt werden. Östlich kam rund 10 Jahre später ein wesentlich größeres Lager hinzu, das für 1000 Mann ausgelegt war. Die Besatzung eines ersten Holz-Erde-Lagers bildete vermutlich die cohors III Batavorum. Es wurde Anfang des 2. Jahrhunderts wesentlich vergrößert; die cohors I Flavia Canathenorum miliaria sagittariorum, eine teilberittene Einheit von syrischen Bogenschützen, zog als Stammtruppe ein. Das Kastell war von bis zu vier Wehrgräben umgeben. Das Nordtor des Lagers ist durch Grabungen nachgewiesen: Es besaß zwei rechteckige Türme und in der Durchfahrt einen Mittelpfeiler. Die Innenbebauung – Mannschaftsbaracken teils für Reiter, Kommandantur, Wohnhaus des Kommandanten, Getreidespeicher und Wasserversorgung – kann auf Grund von naturwissenschaftlichen Messungen (Magnetik und Elektrik) rekonstruiert werden. Bis zu den Markomannenkriegen war Straubing mit diesen beiden Lagern eine der bedeutendsten Militärorte in der römischen Provinz Raetien. Während der Markomannenkriege fand das kleinere Lager der cohors II Raetorum sein Ende. Das der cohors I Flavia Canathenorum blieb bis ins ausgehende 3. Jh. bestehen. Um die Kastelle entwickelte sich eine dichte Besiedlung mit religiösen Einrichtungen, Tavernen, Läden, Gewerbebetrieben und zugehörigen Gräberfeldern. Auch eine heute überbaute Therme konnte ergraben werden. Ein Teil des Lagerdorfs ist als Römerpark projektiert. Dort kann man sich über die Geschichte der römischen Kastelle und das Leben im Lagerdorf informieren. Aktuell stehen Informationstafeln, Abgüsse von Grabdenkmälern dokumentieren das zivile Leben und ein großes ziviles Steingebäude ist konserviert und teilweise wieder aufgemauert.
Ergänzungen sind geplant, dazu gehört auch eine Visualisierung des Ostkastells mittels einer stereoskopischen Bildsäule oder der Rekonstruktion von einzelnen Vicusgebäuden. Im Hinterland dieser Anlagen befanden sich Gutshöfe, die sie mit Lebensmittel versorgten.

Auf Straubinger Stadtgebiet befand sich im Stadtteil Alburg eine große Villa: ihr entstammt der bekannte Römerschatz. In der Alburger Kirche St. Stephan ist außen noch eine Spolie, ein römischer Grabstein, vermauert. Unweit liegt der Fuchsenberg in Lerchenhaid, wo bei Untersuchungen im Jahr 1910 Funde geborgen werden konnten, die auf einen römischen Wachtturm hinweisen. Im Gäubodenmuseum, das mit rund 600m2 mit einer der größten Römerabteilungen Bayerns aufwartet, sind nicht nur der Römerschatz, sondern auch Materialien, wie Handelsware, Handwerksgeräte, religiöses, medizinisches, häusliches und Militaria aus fast allen archäologischen Grabungen in Straubing, zu sehen. Die Geschichte des römischen Straubing / Sorviodurum, d.h. die römischen Kastelle, das zivile Leben (Lagerdorf), die Heiligtümer, Gräberfelder, die Katastrophe im 3. Jh. und die Entwicklung in der Spätantike werden visualisiert.

In der Spätantike wird das militärische Zentrum verlagert; nun steht wieder der Kirchhügel von St. Peter im Focus. Dort kann man noch heute die Geländesituation erkennen, welche die Anlage des spätrömischen Kastells begünstigte. Aber auch das Flair eines historischen Friedhofes, seiner Totenkapellen und der romanischen Basilika lässt den Besucher in die reiche Vergangenheit Straubings eintauchen. Das spätantike Kastell existierte weit bis ins 5. Jh. hinein. Immer mehr Germanen taten Dienst und allmählich lösten sich die Bande zu Rom; aus dem römisch-germanischen Gemisch bildete sich das Grundsubstrat der ersten Bajuwaren heraus.

Straubing ist eingebunden in ein System von Radwegen, unter anderem die Via Danubia. In ein Radwegenetz können Stationen wie Alburg (römische Villa), Lerchenhaid (römischer Wachtturm), Gäubodenmuseum, römische Donauschifffahrt (im Bereich des Schiffsanlegers), die Monumente um und unter St. Peter (spätantikes Kastell und Hafen) sowie der Römerpark mit eingebunden werden. Gleichzeitig würden diese Stationen dem Individualbesucher dazu dienen, das alte Sorviodurum besser zu verstehen.

Straubing ist mit dem Ostenfeld (römisches Kastell und Teilbereich des römischen Vicus/ Römerpark Sorviodurum) und mit dem historischen Friedhof St. Peter Teil der Bemühungen um die Aufnahme in die Tentativliste der UNESCO-Welterbestätte „Grenzen des römischen Reichs“, Erweiterung um den ostbayerischen Abschnitt des Donaulimes. Das Projekt soll der In-Wert-Setzung der evtl. zukünftigen Welterbestätte dienen.

 

  1. Projektideen

Straubing-Römerpark

Zur Visualisierung des Ostkastells der ersten Canathenerkohorte soll eine stereoskopische Bildsäule in der Südwestecke des Kastells errichtet werden. Die digitalen Basisdaten (Pläne) liegen bei der Firma Arctron in Altenthann vor. Auch wenn nur Nordtor und Gräben im Süden archäologisch ergraben worden sind, wurden Daten aus Magnetprospektionen, elektrischen Messungen und Luftbildern so verschnitten, dass das vollständige Kastell bekannt ist. Die Erstellung der digitalen Rekonstruktion muss für die Anlage noch erfolgen.

Hardware (vandalismussicher):                                ca. € 3.000.-
Software / digitale Rekonstruktion:                           ca. € 7.000.-


Straubing-St. Peter

Fahrradrastplatz mit elektronischer Informationsstele (Bildschirm): Informationen zum Straubinger Hafen (römisch), zum spätantiken Kastell unter St. Peter, zu den frühmittelalterlichen Adelsgräbern und zu den frühen Kirchen bis hin zur romanischen Basilika. Solche Stelen können auch integrierte Ladestationen für E-Bikes aufweisen.

            Rastplatz geschottert
            Tisch, Bänke, Radabstellanlagen                             ca. €   4.000.-
            Elektron. Infostele mit Ladestation                            ca. € 12.500.-

Römerradweg
 
(Römerpark, Historischer Friedhof St. Peter, Schiffsanlegestelle, Gäubodenmuseum, Lerchenhaid, Alburg)

Nahe der Anlegestelle Info-Point zur römischen Donauschifffahrt (Schiff des 1. Jahrhunderts, spätantike Lusoria, Prahme, Treideln, Segeln, Rudern – Antriebstechniken -, Warenverkehr wie Lebensmittel, Töpfereiprodukte oder Textilien).

·        Station Anlegestelle
Info-Point zur römischen Donauschifffahrt
Infotafel, -stele (Grafik und Produktion)       ca. €   3.000.-

·        Station Lerchenhaid/ Tiergarten
Info-Point zum möglichen römischen Wachtturm
Infotafel, -stele (Grafik und Produktion)       ca. €   3.000.-
E-Bike-Ladestation                                        ca. €   7.000.-

·        Station Alburg

Infopoint zur römischen Villa

Infotafel, -stele (Grafik und Produktion)       ca. €   3.000.-

 

·        Beschilderung                                                ca. €   1.000.-

 

  1. Kostenschätzung:

Römerpark:
Stereoskopische Bildsäule
Hardware                                                                  ca. €   3.000.-
Software                                                                   ca. €   7.000.-

St. Peter:
Rastplatz                                                                   ca. €   4.000.-
Elektronische Infostele                                             ca. € 12.500.-

Römerradweg:
3 Infotafeln, -stelen mit Gestaltung à € 3.000.-        ca. €   9.000.-
E-Bike-Ladestation                                                   ca. €   7.000.-
Beschilderung                                                           ca. €   1.000.-

Gesamt:                                                                   ca. € 43.500.-


  1. Finanzierungsplan

Der Fördersatz wird sich voraussichtlich auf 70% belaufen. Größere Projekte wie etwa infrastrukurelle Maßnahmen oder die touristische Inwertsetzung von bestehenden Einrichtungen müssen über die jeweilige Kommune kofinanziert werden.
Bei einer Kostenschätzung in Höhe von insgesamt ca. € 43.500.- würden Kosten in Höhe von ca. € 13.050.- auf die Stadt Straubing zukommen.



  1. Umsetzungsplan

Die Förderzeit wird voraussichtlich von 2016 – 2019 sein.
In diesem Zeitraum sollten pro Jahr ca. € 3.500.- bis € 5.000.- (je nachdem welche der genannten Projektideen umgesetzt wird) in den Haushalt eingestellt werden.


Beschluss:

 

Die Stadt Straubing beteiligt sich am INTERREG-Projekt im Kooperationsprogramm Bayern-Österreich 2014 – 2020 mit den oben genannten Projektideen und den vorgeschlagenen Maßnahmen.


Abstimmungsergebnis:

- einstimmig -

Verteiler:

1, 1.1, 17